WISSENSCHAFT IST KEINE GESCHMACKSFRAGE.

Ich wundere mich inzwischen wirklich darüber, wie selbstverständlich wir anfangen, wissenschaftliche Erkenntnisse wie Meinungen zu behandeln. Als könnte man sich aussuchen, welche Fakten einem gerade in die eigene politische oder wirtschaftliche Vorstellung passen.

Am vergangenen Freitag wurde die Vollversammlung des Weltklimarats IPCC ohne Einigung über den Zeitplan des nächsten großen Klimaberichts unterbrochen. Seit fast drei Jahren können sich die beteiligten Regierungen nicht darauf verständigen. Nun besteht die Gefahr, dass wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse für die weltweiten Klimaentscheidungen 2028 zu spät kommen.

117 Wissenschaftler haben daraufhin einen offenen Brief veröffentlicht. Ihre Botschaft ist einfach: Wir werden weiterarbeiten.

Und mich beschäftigt daran etwas Grundsätzliches.

Was passiert eigentlich mit einer Gesellschaft, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse zunehmend ihre Bedeutung verlieren, sobald sie unbequem werden?

Wissenschaft ist keine absolute Wahrheit. Das hat sie auch nie behauptet. Sie ist unser bestes verfügbares Verfahren, um die Wirklichkeit zu verstehen. Durch Beobachtung, Messungen, überprüfbare Methoden, Kritik und die Bereitschaft, bisherige Erkenntnisse zu korrigieren, wenn neue Belege vorliegen.

Genau darin liegt ihre Stärke.

Natürlich darf und muss man wissenschaftliche Ergebnisse hinterfragen. Aber dafür braucht es bessere Belege. Eine politische Überzeugung, ein wirtschaftliches Interesse oder ein ungutes Bauchgefühl reichen dafür nicht aus.

Und selbstverständlich müssen Regierungen darüber diskutieren, welche Maßnahmen sinnvoll, verhältnismäßig und finanzierbar sind. Das gehört zur Demokratie.

Aber die wissenschaftlichen Grundlagen dieser Entscheidungen dürfen wir dabei nicht nach Belieben zurechtbiegen.

Ich finde diese Entwicklung wirklich besorgniserregend. Gerade jetzt, wo wir Entscheidungen treffen müssen, deren Konsequenzen weit über unsere eigene Lebenszeit hinausreichen.

Europa hat eine lange Tradition wissenschaftlicher Neugier, unabhängiger Forschung und kritischen Denkens. Darauf baut ein erheblicher Teil unseres Wohlstands, unserer Freiheit und unserer Zukunftsfähigkeit.

Wir sollten sehr gut darauf aufpassen.

Denn eine Gesellschaft, die ihre besten Erkenntnisse ignoriert, wird dadurch keinen Millimeter klüger.

Martin Bonner · GLOW FOR EUROPE
For a sovereign, future-ready Europe.

Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte füllen Sie dieses Feld aus.
Bitte gib eine gültige E-Mail-Adresse ein.

arrow_upward