„Ich glaube, der Zug ist abgefahren.“

„Ich glaube, der Zug ist abgefahren.“
Diesen Satz habe ich gestern in einem langen Gespräch mit einem jungen Mann Mitte 30 gehört. Eigentlich ging es um Technologie, neue Ideen und darum, was wir in Europa alles aufbauen können. Irgendwann kamen wir auf unsere Gesellschaft und unsere Zukunft zu sprechen. Und dieses Gespräch geht mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf.

Er sprach über den Klimawandel, über unsere Demokratie und darüber, wie düster er inzwischen die Zukunft sieht. Auch weil viele jüngere Menschen doch längst versucht haben, etwas zu verändern. Sie sind auf die Straße gegangen, haben sich engagiert und ihre Stimme erhoben. Und trotzdem bleibt bei vielen das Gefühl, dass es am Ende kaum etwas bewirkt.

Besonders getroffen hat mich, dass er von Menschen erzählte, die irgendwann einfach keine Nachrichten mehr lesen wollen. Weil sie die Probleme kennen, aber neben ihrem eigenen Alltag nicht mehr wissen, was sie dagegen noch tun können.

Das hat mich wirklich erschreckt.

Natürlich steht ein solches Gespräch nicht für eine ganze Generation. Aber ich höre solche Gedanken inzwischen öfter. Und ich finde es bedrückend, wenn Menschen, die noch so viel Leben vor sich haben, anfangen, den Glauben an ihre eigene Zukunft zu verlieren.

Ich bin jetzt 55. Und ich glaube, dass wir Älteren (Generation 50+) hier eine enorme Verantwortung tragen. Viele von uns haben Erfahrung, Kontakte, wirtschaftliche Möglichkeiten und Einfluss. Wir sitzen häufig dort, wo Entscheidungen getroffen werden. Mit deren Folgen werden die Jüngeren viel länger leben als wir.

Da müssen wir genauer zuhören. Ihnen mehr zutrauen, sie früher einbeziehen und auch bereit sein, Verantwortung zu teilen. Vielleicht haben sie für manches längst bessere Ideen als wir.

Ich habe gestern zu ihm gesagt: „Der Zug ist nie abgefahren.“

Davon bin ich überzeugt. Wir Menschen haben unsere Unternehmen, unsere Institutionen, unsere Gesetze und unser Zusammenleben selbst gestaltet. Und vieles davon können wir auch wieder verändern. Natürlich wird das schwierig. Manches lässt sich auch nicht rückgängig machen.

Aber wenn ich sehe, was wir heute alles wissen und können, gerade auch hier in Europa, dann sehe ich unglaublich viele Möglichkeiten, unsere Zukunft gemeinsam besser zu gestalten.

Und genau deshalb wünsche ich mir, dass wir Generationen wieder viel stärker zusammenbringen. Dass wir einander zuhören, gemeinsam anpacken und den Jüngeren auch wirklich die Möglichkeit geben, mitzuentscheiden und etwas zu verändern.

Denn ich glaube, dass genau daraus wieder Zuversicht entstehen kann. Wenn Menschen selbst erleben, dass sie mit ihren Ideen und ihrem Handeln etwas bewegen können.

Martin Bonner · GLOW FOR EUROPE
For a sovereign, future-ready Europe.

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